Zwischen Nähe und Distanz: Unabhängigkeit in der Selbsthilfe stärken
Zusammenfassung
Auf der MEZIS-Fachtagung 2022 lag der Themenschwerpunkt auf den Herausforderungen des Gesundheitssystems. NAKOS-Autor David Brinkmann gab einen Impuls aus der Selbsthilfe und beleuchtete die Rolle von Patient*innenorganisationen und Selbsthilfegruppen im Spannungsfeld von Transparenz, Unabhängigkeit und Einflussnahme durch Dritte.
Vom 24. bis 26. Juni 2022 versammelten sich etwa 40 Teilnehmende zu der dreitägigen Fachtagung „Markt.Macht.Daten – Kann Medizin noch Mensch?“. Zur Veranstaltung hatte die Ärzt*innen-Initiative MEZIS e.V. („Mein Essen zahl’ ich selbst“) nach Bonn eingeladen. Gleichzeitig feierte die Initiative im Rahmen der Veranstaltung ihr 15-jähriges Bestehen.
In einer Podiumsdiskussion und in insgesamt 16 Workshops wurden die vielfältigen Herausforderungen thematisiert, mit der sich „Mensch“ im heutigen Gesundheitssystem konfrontiert sieht. Das Hinterfragen einer, allzu oft durch kommerzielle und politische Interessen beeinflussten, Gesundheitsversorgung stand im Mittelpunkt der Diskussionen. Es wurden Möglichkeiten ausgelotet und Vorschläge formuliert, wie der Mensch mit seinen Bedürfnissen wieder in den Fokus der Medizin rücken kann. In Zeiten rasanter Digitalisierung spielte darüber hinaus die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit (Patient*innen-)Daten eine wichtige Rolle.
Die NAKOS wurde dazu eingeladen, mit einem Workshop einen Impuls aus der Perspektive der Selbsthilfe zu geben: David Brinkmann (NAKOS) legte in einem fachlichen Input die Strukturen und das Selbstverständnis der Selbsthilfe in Deutschland dar. Anschließend tauschten sich die Teilnehmenden zu ihren beruflichen und persönlichen Erfahrungen mit der gemeinschaftlichen Selbsthilfe aus. Hierbei wurden auch Einfallstore für Interessen Dritter, wie der Pharmaindustrie, benannt. Gerade Selbsthilfegruppen wären sich der Probleme, die mit einer solchen „Zusammenarbeit“ einhergehen, oft nicht ausreichend bewusst. Die Industrie wiederum würde dies und die Notlage der Betroffenen dann gezielt ausnutzen, um die Nachfrage nach bestimmten Therapien zu beeinflussen oder gar erst zu erzeugen.
Die Diskussion machte deutlich, dass es gemeinsamer Anstrengungen aller Akteur*innen innerhalb der Selbsthilfe und darüber hinaus bedarf, um versuchte Einflussnahme zu erkennen und dieser gezielt vorzubeugen. Wichtige Ansatzpunkte wären hier Information und Aufklärung – insbesondere auf Ebene der Selbsthilfegruppen –, aber auch sensibilisierende Arbeit insgesamt sowie das Schaffen von Anreizen für transparentes Handeln auf allen Ebenen.
Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ war die NAKOS zudem mit einem Info-Tisch vertreten, an dem die Teilnehmenden sich über die aktuelle Arbeit der NAKOS zu den Themen Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Transparenz in der Selbsthilfe informieren konnten. Wichtige Höhepunkte der Fachtagung waren die erstmalige Verleihung des Negativ-Awards „Goldenes Zäpfchen“ im Rahmen der Jubiläumsfeier („15 Jahre MEZIS e.V.“) und die Verabschiedung eines gemeinsamen Appells für weniger Kommerz und mehr Patientenorientierung.
Weitere Literatur- und Medientipps
Ergänzend zu unseren Fachbeiträgen finden Sie auf NAKOS IMPULSE weiterführende Literatur- und Medientipps rund um dieses und andere Themen der Selbsthilfe.