Selbsthilfe trifft Schule: Neue Brücken zur jungen Zielgruppe

Ein Beitrag der NAKOS

Zusammenfassung

Mehr als die Hälfte aller Selbsthilfekontaktstellen kooperiert mit Bildungseinrichtungen – Tendenz steigend. Das zeigt eine Befragung aus 2022 der NAKOS. Die Vorteile: Sichtbarkeit, Nachwuchsförderung und neue Zugänge zur Selbsthilfe. Der Beitrag von NAKOS-Autorin Katharina Pretscher beschreibt Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Beispiele gelungener Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und Weiterbildungsträgern.

Kooperationsbeispiele

Beispiel 1: Pausenhofaktionen und Unterrichtskonzept an (beruflichen) Schulen im Ortenaukreis

Unter dem Motto „Ich bin gerade eine Baustelle. Vielen Dank für eure Geduld“ baut die Selbsthilfekontaktstelle eine kleine Baustelle auf dem Schulhof auf und wirbt als Baustellenmitarbeiter*innen verkleidet für die Junge Selbsthilfe Ortenau (JUSEO). Die Schüler*innen werden mit Werbematerialien und persönlichen Gesprächen auf die junge Selbsthilfe und die Angebote der Kontaktstelle aufmerksam gemacht.

Zusätzlich zu der Pausenhofaktion bietet die Kontaktstelle an, ihre Angebote im Schulunterricht vorzustellen. In den 45–90-minütigen Unterrichtseinheiten erfahren die Schüler*innen mehr über die gemeinschaftliche Selbsthilfe und den Umgang mit Erkrankungen und sozialen Problemen. Ziel des Unterrichtskonzeptes ist es, Vorurteile abzubauen und die Schüler*innen in ihrer Betroffenen- und Lebenskompetenz zu stärken.

In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Schulsozialarbeitenden wurde das Angebot im Schuljahr 2021/22 bereits sechs Mal durchgeführt. Mehr Informationen und Fotos der Pausenhofaktion unter www.juseo-ortenau.de

Beispiel 2: Unterrichtseinheiten zur Selbsthilfe an den Pflegeschulen des Klinikums Region Hannover GmbH

Bereits seit 2006 gibt es zwischen der KIBIS Hannover und dem Klinikum Region Hannover GmbH eine schriftliche Vereinbarung, in der sich die Kooperationspartner auf die gemeinschaftliche Selbsthilfe als wichtige Ergänzung in der ambulanten und stationären Patientenversorgung verständigen. Außerdem sind in der Vereinbarung gemeinsame Organisationsstrukturen für die Zusammenarbeit festgehalten: die Ernennung von Ansprechpersonen für die Selbsthilfe an den Krankenhäusern, die Bereitstellung von Klinik-Räumlichkeiten für die Selbsthilfe sowie die Informationsbereitstellung zu bestehenden Gruppen durch die Kontaktstelle.

Zusätzlich zu der schriftlich vereinbarten Integration der Selbsthilfe in der Patientenversorgung des Klinikums wurde in jeden Ausbildungsjahrgang der Pflegeschulen des Klinikums eine 90-minütige Lehrveranstaltung zur Selbsthilfe eingegliedert. 2020 hielt die Kontaktstelle insgesamt elf solcher Unterrichtseinheiten ab. In den Vorträgen wurden den Auszubildenden der individuelle und gesellschaftliche Nutzen gemeinschaftlicher Selbsthilfe nähergebracht und die Angebote der Kontaktstelle vorgestellt, um sie so als Multiplikator*innen zu schulen.